Seit fast 40 Jahren engagieren wir uns an der Seite der indigenen Völker des peruanischen Amazonas. Von Anfang an haben wir uns dafür eingesetzt, dass ihre Rechte anerkannt und ihr Wald erhalten bleibt.
34 Jahre lang wurden die Projekte von Nouvelle Planète im peruanischen Amazonas von Jeremy Narby geleitet. Seit fünf Jahren habe ich diese Verantwortung übernommen. Heute konzentrieren sich unsere Bemühungen auf zwei Bereiche: die Verbriefung der Landrechte für die Gebiete von 60 indigenen Gemeinschaften in der Region Loreto und die Verbesserung der Lebensbedingungen von 30 Ashéninka-Gemeinschaften im Hochland des Gran Pajonal.
Seit 1989 ist Nouvelle Planète in Peru mit einem vorrangigen Schwerpunkt tätig: die Landverbriefung. Die geografische Auswirkung ist erheblich. Bereits 6 Millionen Hektar Regenwald (60’000 km2) wurden rechtlich gesichert. Das ist eine Fläche, die grösser ist als die der Schweiz und die nun von den indigenen Gemeinschaften kontrolliert wird. Sie entspricht 1% der Gesamtfläche des Amazonas-Regenwaldes. Durch die Sicherung der Eigentumsrechte können sich die Gemeinschaften besser vor externen Bedrohungen schützen und Projekte durchführen die nachhaltige Einkommen generieren und den Wald schützen.
Selbstbestimmung als Ausgangspunkt
Über die Landverbriefung hinaus umfassten die in den letzten 37 Jahren unterstützten Projekte zweisprachige und interkulturelle Bildung, nachhaltige Forst- und Fischwirtschaft, ökologische Überwachung, Kapazitätsaufbau sowie Familienernährung. Wir gehen systematisch davon aus, dass die Gemeinschaften die ExpertInnen für ihre eigene Entwicklung sind. Sie bestimmen, welche Initiativen vorrangig unterstützt werden sollen. Zudem stärken wir ihre repräsentativen Organisationen, die mit den Behörden im Dialog stehen, um geeignete öffentliche politische Massnahmen zu fördern, wie etwa die flächendeckende Einführung zweisprachigen Unterrichts. Diese Ansätze zielen auf eine systemische Wirkung, die über die direkt Begünstigten hinausgeht.
In vier Jahrzehnten hat Nouvelle Planète fast 200 Projekte mit einem Gesamtvolumen von über 10 Millionen CHF unterstützt. Im peruanischen Amazonas werden diese Projekte vor allem von CEDIA umgesetzt, unserem langjährigen Partner seit über 30 Jahren, der für seine Expertise in indigenen Fragen anerkannt ist.
Die von indigenen Völkern kontrollierten Gebiete sind nahezu vollständig von tropischem Regenwald bedeckt und gelten als wichtige Biodiversitätsreservoirs. Diese Erhaltung beruht auf einer Beziehung gegenseitiger Abhängigkeit: Der Wald ist für sie zugleich Lebensgrundlage als auch heiliger Ort. Indem sie ihren Lebensraum schützen, leisten diese Völker einen lebenswichtigen ökologischen Beitrag für den gesamten Planeten.
Ein wegweisendes Projekt: Zweisprachige und interkulturelle Bildung
Während 26 Jahren hat Nouvelle Planète das zweisprachige und interkulturelle Bildungsprogramm Formabiap mit Sitz in Iquitos unterstützt. Lange Zeit war das Bildungssystem rein westlich geprägt und ausschliesslich auf Spanisch, wodurch die Jugendlichen von ihrer Kultur und ihrer Herkunft entfremdet wurden. Mehrere hundert indigene Lehrkräfte wurden ausgebildet, um in ihrer eigenen Sprache und gemäss ihrer eigenen Kultur zu unterrichten. Die Kinder lernen nicht nur die „klassischen“ Fächer, sondern auch die nachhaltige Bewirtschaftung des Waldes und die Traditionen ihrer Vorfahren.
Bereits 1993 finanzierte Nouvelle Planète sämtliche Vorstudien zur Einrichtung eines Reservats für indigene Völker, die in freiwilliger Isolation leben. Das Projekt, das zunächst von den regionalen Behörden blockiert wurde, konnte dank einer strategischen Allianz mit der indigenen Organisation FENAMAD verwirklicht werden. Diese Zusammenarbeit ermöglichte die offizielle Anerkennung des Reservats im Jahr 2002. Heute erstreckt es sich über mehr als 829’941 Hektar (was fast der Fläche der Westschweiz entspricht) und bietet den Völkern, die sich dafür entschieden haben, ohne Kontakt zu unserer Gesellschaft zu leben, lebenswichtigen Schutz, während gleichzeitig der tropische Primärwald bewahrt wird.
Die Herausforderung der nächsten 40 Jahre
Während sich die internationale Hilfe von Lateinamerika abwendet, nimmt der Druck auf den Wald zu. Goldgräber, Drogenhändler und illegale Holzfäller dringen jeden Tag weiter in neue Gebiete vor. Diese Bedrohungen verschärfen die prekäre Lage der lokalen Bevölkerung, die ohnehin schon strukturellen Ungleichheiten ausgesetzt ist, die aus der Kolonialgeschichte stammen. Heute sind diese Gemeinschaften sowie Menschenrechts- und Umweltschützer mit besorgniserregender systemischer Gewalt ausgesetzt. Dies ist nicht der Zeitpunkt, um untätig zu bleiben. Vielen Dank an Sie, die Sie unser Handeln ermöglichen.
Aurélien Stoll

